Gibt es eine Risikokomponente?

Schon vor hundert Jahren machte die "Schneeberger Krankheit" von sich reden: Bergleute im Erzgebirge, die untertage über viele Jahre extrem hohen Radonkonzentrationen ausgesetzt waren, starben früh an Lungenkrebs. Inzwischen haben Untersuchungen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Radondosen und Lungenkrebs ermittelt. Aufgrund dieser Daten wird in Verbindung mit rein mathematischen Modellen ein mögliches Tumorrisiko auch bei einer Radontherapie diskutiert. Andere Krebsarten im Zusammenhang mit Radon schließen Experten aus.

Es ist jedoch zu beachten, dass es sich bei einer Radontherapie im Heilstollen um bis zu tausendfach niedrigere Werte als in den Bergwerken handelt. Bei einer 3-wöchigen Heilstollenkur ist "im Mittel mit einer Ganzkörperdosis von ca. 1,8 mSv zu rechnen, ein Wert der in etwa der durchschnittlichen Jahres-Belastung durch Radon in der natürlichen Umgebung eine Mitteleuropäers entspricht. Bei der Badekur summiert sich der Wert auf noch geringere Werte." Eine Radontherapie stellt demnach eine Belastung dar, die in der normalüblichen Streuung untergeht - so die Experten.

Die Daten aus dem Bergbau lassen sich auch deshalb nicht auf eine Radonkur übertragen, weil die Luft in den Bergwerken im Unterschied zum Heilstollen auch mit anderen Lungenkrebs erzeugenden Schadstoffen belastet ist, wie z.B. Arsen oder Dieselabgasen. Zudem ist der Raucheranteil - etwa jeder 10. rauchende Bergmann bekommt Lungenkrebs - unter den Bergleuten überdurchschnittlich hoch.

Berücksichtigt man diese Faktoren, ist selbst bei der pessimistischen Annahme einer linearen Dosis-Wirkungs-Beziehung ohne Schwellenwert (= positiver Effekt von in großen Mengen gesundheitsschädigenden Stoffen, wenn sie in nur kleinen Mengen verabreicht werden), wie sie der Strahlenschutz aus reinen Vorsichtsgründen vertritt, das Lungenkrebs-Risiko einer Radontherapie vernachlässigbar klein.